R.I.P. Hoffnung

Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagen sie. Damit habe sie recht. Die Hoffnung, dass sich mit dieser einen Wette alles zum Guten wendet.

Die grösste Hoffnung liegt aber darin, dass man irgendwann vom Spielen die Finger lassen kann. Es ist eine Lebensaufgabe, die mir hier gestellt wurde. Obwohl es ein Prozess ist, sehe ich keinen Sinn darin. Mittlerweile sehe ich nicht einmal ein Fortschritt. Es ist eher eine Stagnation. Die Hoffnung hat ihre letzten Atemzüge gemacht und liegt jetzt auf dem Totenbett.

Ich habe sie zu Grabe getragen in den letzten Woche. Es stellt sich nur noch die Frage was ich alles mit in den Abgrund ziehe. Weshalb bin ich so schwach? Weshalb ist das Verlangen so stark? Wie kann es sein, dass ich meine hervorragende Ausgangslage nicht nutze?

Heute bin ich sehr müde. Ich kann es mir leisten. Es ist Sonntag. Meine Partnerin spürt das etwas nicht stimmt. Meine Lebensgeister sind nicht bei mir. Meine Energie habe ich mit meiner Hoffnung beerdigt.

Es ist ein komisches Gefühl, dass man tatsächlich irgendwann das letzte Mal gewettet haben soll. Auch das Gefühl das selber im Griff haben zu können, fühlt sich unwahr an. Kann das sein? Fremdgesteuert fühle ich mich. Kein Glauben an mich, keine Hoffnung an die Zukunft. Kein Licht am Ende des Tunnels.

Heute wäre Tag 0, morgen Tag 1. Habe ich Lust abstinent zu sein? Nein, viel zu anstrengend. Habe ich Lust rückfälig zu werden? Nein, viel zu schädigend. Ich schade meinem Konto, ich schade meiner Zukunft und ich schade meinem Ego. Auch dieses liegt schon Jahre auf dem Totenbett.

Wieso macht man etwas bei dem man nur verlieren kann? Weshalb macht man etwas das einem selber kaputt macht? Klar, ich mag mich überhaupt nicht. Ich finde auch, dass ich es nicht anders verdient habe. Die Vorwürfe waren wohl schon immer da, aber mit der Sucht und den Rückfällen haben sie wöchentlich Futter. Das Schlimme ist, dass selbst wenn ich ab heute spielfrei wäre, ich mir das selber nicht verzeihen kann.

Ich werfe mir vor Mensch zu sein. Ich werfe mir vor Fehler zu machen. Ich werde mir vor 20 Jahre meines Lebens weggeworfen zu haben und diese Vorwürfe sind so stark, dass sie mir die Energie nehmen damit aufzuhören.

Sie nehmen mir die Energie ehrlich zu sein. Deshalb bin ich immer so unendlich müde nach einem grossen Verlust. Eigentlich bin ich sehr traurig, aber das erlaube ich mir nicht. Ich darf nicht über eigene Fehler weinen.