Finanzverwaltung für einen Spieler

Bist Du von einem Spieler um Hilfe bei der Kontrolle seiner Finanzangelegenheiten angefragt worden? Herzlichen Glückwunsch! Er scheint Dir zu vertrauen und das ist ein seltenes Geschenk. Trotzdem solltest Du Dir überlegen ob Du dieses annehmen willst. Du hast Dir da nämlich eine sehr herausfordernde Aufgabe angelacht. Wenn Du ihm nämlich wirklich helfen willst, musst Du streng sein und machst Dich unbeliebt. Vermutlich hat er nämlich das Gefühl, dass er Dir sowieso immer einen Schritt voraus ist sonst hätte er vielleicht nicht gerade Dich gefragt.

Mach Dich auf etwas gefasst. Er ist vermutlich ein geübter Lügner oder nett formuliert ein Tatsachenverdreher. Er lässt unliebsame Mitteilungen einfach weg und feiert dafür seine kleinen Erfolge unverhältnismässig ab. Sobald er nichts mehr von seiner Sucht berichtet, solltest Du mißtrauisch werden. Der nächste Rückfall ist vermutlich bereits in Vorbereitung oder schon geschehen.

Solltest Du die Verantwortung annehmen wollen, habe ich Euch ein paar Tipps.

  1. Besprecht wie viel Taschengeld er pro Woche benötigt und händige ihm diese am besten in Kleinbeträgen persönlich aus. Alternativ ist eine monatliche Überweisung auf sein Konto eine gute Lösung, aber nur wenn der allfällig überschüssige Betrag wieder zurücküberwiesen wird.
  2. Besprecht ehrlich bei welchem Betrag es ihn wieder in den Händen jucken würde. Viele Spieler haben das Verhältnis zu Geld absolut verloren und fänden mit CHF 20 zu spielen lächerlich. Umso besser! Dann besteht keine Gefahr eines Rückfalls und man kommt trotzdem durch den Tag.
  3. Sollte sein Lohnkonto nicht sowieso schon verpfändet sein, wäre es sinnvoll wenn seine Lohnzahlung auf ein Konto erfolgt, auf welches er absolut keinen Zugriff hat. Dazu eignet sich zum Beispiel ein Partnerkonto mit Kollektivunterschrift, so dass man am Schalter nur zu Zweit Geld beziehen kann. Eine Debitkarte sollte es keine geben. Dieses Konto dient nur als Empfangskonto. Von diesem Konto werden von der beauftragten Person die Zahlungen getätigt und der Dauerauftrag für das Taschengeld ausgerichtet.
  4. Kontrolle, Kontrolle, Kontrolle. Obwohl er sich vermutlich bevormundet fühlen wird, wird er es Dir irgendwann danken wenn Du Dich einmischst und Dir alles Verdächtige zeigen lässt.
  5. Ändere Deine Passwörter vom E-Banking und notiere sie bloss nicht. Wenn er die Chance hat sich Zugriff zu verschaffen, wird er es irgendwann versuchen. Stell Dir einfach immer einen Junkie vor, der für seinen Stoff in Dein Haus einbrechen müsste. Ja, man glaubt es kaum aber er würde es tun. Dieser Vergleich ist vielleicht krass aber eine Glücksspielsucht in ihrer vollen Blüte fühlt sich genau so an und obwohl ihn Eure Beziehung daran hindern sollte, wird er zu diesen Emotionen unter Suchtdruck keinen Zugriff haben. Nimm es bitte nicht persönlich! Mit Dir hat es nichts zu tun. Er ist einfach krank.
  6. Geht zusammen und Du für Dich alleine die Möglichkeiten durch, wie er doch noch zu Geld kommen könnte und schliesst diese Türen. Er wird irgendwann in einem schwachen Moment alle Optionen durchgehen und alles was möglich ist, versuchen. Im ersten Moment wird er sich nerven wenn sein lang ausgeheckter Plan zur Geldbeschaffung misslingt, aber kurz danach wird er erleichtert sein nicht rückfällig geworden zu sein.
  7. Kombination mit Software gewünscht? Für Onlinesüchtige kann ich die erschwingliche Gamban Software sehr empfehlen. Da man diese mit ein wenig Übung und IT-Kenntnisse auch umgehen kann, habe ich sie mit einer App namens AppBlock ergänzt. Die Passwörter sollten von der helfenden Person gesetzt und in ihrem Hirn (und nur dort) gespeichert werden.
  8. Stichproben: Nichts hasst man in der Schule so wie Blitzprüfungen. Weshalb? Weil sich dann die Streu vom Weizen trennt und die die nicht gelernt haben, fliegen gnadenlos auf. Frag ihn anhand welchen Punkten man merken würde dass er wieder spielt und kontrolliere es unangesagt. Im besten Fall wird diese jederzeit mögliche Kontrolle präventiv wirken.
  9. Stell Dir vor, es sei Dein Geld. Beschütze es als wäre es Deins. Dann nimmst Du diese verantwortungsvolle Rolle richtig wahr.
  10. Geht diese Liste Punkt für Punkt durch und führt am besten alles ein. Normalerweise plädiert ein Spieler dafür nur wenige Massnahmen zu ergreifen und argumentiert mit seiner persönlichen Freiheit, die er nicht zu stark einschränken möchte. Paperlapapp! Wenn kein gewichtiges Argument dagegen spricht, wird es umgesetzt! Alle Punkte sind sinnvoll und bauen zusätzliche Hindernisse um einen erneuten Rückfall ein und sollten deshalb höchst willkommen sein, ausser man meint es eben doch nicht so ernst mit der Abstinenz 😉
  11. Sei ehrlich zu Dir und zur Person, der Du hilfst. Wenn es Dir zu viel wird, sag es frühzeitig. Es wird sich ein anderer Weg finden lassen. Es ist wirklich kein Zuckerschleck und gewisse Typen eignen sich dafür einfach nicht. Wenn Du Dir aber einen Sport daraus machen kannst, dem gewieften Spieler immer einen Gedankenschritt voraus zu sein, kann es auch Spass machen.

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