Nach vorne schauen

Es gibt keinen Countdown mehr, zumindest keinen den ich „laut“ mitzähle. Es gibt ihn in einer App, die die Tage mitzählt und die ich schon viel zu oft mit einem neuen Datum gefüttert habe. Und doch bin ich eigenartig zuversichtlich. Es ist erst zwei Tage her, aber seither ist viel passiert. Eine weitere Türe ist in ihre Falle geknallt. Ich habe meinen Vorgesetzten informiert. Etwas was ich schon Jahre vor mich hergeschoben habe. Am letzten Freitag, als ich mich hoffnungslos gefühlt habe und kurz zuvor zum x-ten Mal die Business Kreditkarte um Lohnvorschuss bemüht habe, hat es mir gereicht. Alle Befürchtungen vor den negativen Folgen habe ich ausgeblendet. Das ist der positive Aspekt eines Tunnelblicks.

Heute bei meinem ersten Arbeitstag hatte ich ein gutes Gespräch. Mein Vorgesetzter hat vorbildlich reagiert aber ich bin noch nicht beruhigt. Ich muss zuerst den Kontozugriff auf ihn zurück übertragen. Erstaunlicherweise hatte er offenbar bereits einmal einen Geschäftspartner der aus denselben Gründen Geld veruntreut hat. Das habe ich aus meiner Sicht nicht, wobei ich zugeben muss, dass man das auch anders sehen könnte. Sind Lohnvorbezüge als Veruntreuung zu taxieren? Ich weiss es ehrlich gesagt nicht. Ich versuche das objektiv zu betrachten. Jedenfalls selbst wenn, ich bin so weit, dass ich die Folgen davon einfach tragen würde. Besser als in dieser Unwahrheit zu leben. In meinen Augen habe ich einen guten Schritt gemacht, auch wenn dessen Folgen vielleicht nicht nur positiv sind.

Es ist aber noch mehr passiert. Ich werde in der stationären Klinik in Basel ein Aufnahmegespräch führen. Nicht um danach sofort einzutreten. Ich möchte einfach mehr darüber erfahren. Vielleicht hilt es mir, vielleicht ist es nötig. Im Moment sage ich mir, dass ich es jetzt nochmals versuche. Beim nächsten Rückfall wäre das aber der logische Folgeschritt.

Im Zuge dieser Krise bin ich auf ein neues Buch gestossen, welches mich angeregt hat Sachen neu zu sehen. „Der Antispieler“. Von den ersten Seiten ist mir geblieben, dass einem die eigene Vergangenheit nicht negativ beinflussen sollte, sondern das was man aus ihr für Schlussfolgerungen zieht. Das ist ein eminent wichtiger Punkt. Ich habe Mühe meine Vergangenheit zu akzeptieren. 20 Jahre gespielt und Unmengen an Zeit, Energie und Geld verprasst. Wie kann man sich damit aussöhnen? Aber ohne das vollständige Akzeptieren davon kann man kein neues Kapitel aufschlagen.

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