Tag 36 – neben den Schuhen stehen

Allgemeines Befinden: 4/10, Craving: 3/10, Problembewusstsein: 6/10

Nachdem der gestrige Sonntag gut verlaufen ist, steht heute der Wiederbeginn nach meinem Urlaub aus. Geschlafen habe ich tief und fest, aber seit dem Erwachen begleitet mich wieder eine alles durchdringende Nervosität. Ich hoffe, dass sich diese mit der Zeit legt. Manchmal hilft es mir mich in die Arbeit zu stürzen und dem Befinden keine Beachtung zu schenken.

Tag 35 – Rückzug

Allgemeines Befinden: 3/10, Craving: 3/10, Problembewusstsein: 5/10

Während meines Urlaubs hat auch mein Blogschreiben Pause gemacht. Das hatte ich nicht so geplant, stimmt aber nachträglich gesehen sehr für mich. Ich kann und will mich nicht ständig mit meinen Spiel-Problemen beschäftigen.

Der Urlaub war ausserordentlich schön und die Heimkehr in den Alltag fällt schwer. Umso mehr als dass ich mit psychosomatische Beschwerden zu kämpfen habe. Bereits vor einigen Tagen gab es kurze Momente in denen mir schwindlig war. Das ist jeweils kein eigentlicher Schwindel bei der man das Gleichgewicht verliert sondern eher ein „es geht mir zu schnell“ oder ein „ich weiss nicht so recht wo mir der Kopf steht“. Ein Symptom unter dem ich immer wieder leide. Wobei Symptom vermutlich in diesem Kontext wohl der falsche Begriff ist, denn es ist kein Anzeichen für eine Erkrankung. Ich deute es eher als ein Zeichen meiner Seele. Aber was will sie mir sagen?

Die häufigste Psychomatik betrifft die Augen oder meine Sehkraft. Es fühlt sich dann jeweils an, als falle mir das Sehen schwer. Nicht, dass ich schlechter sehe. Es ist eher so dass mich das Sehen anstrengt. Auch das wäre noch nicht weltbewegend, wenn dann nicht noch dieses Angstgefühl dazu kommen würde. Durch das Bemerken dieses veränderten Körpergefühls konzentriere ich mich noch stärker darauf und es fühlt sich erst recht komisch an. Ich kann mich dann regelrecht in etwas reinsteigern. Was wenn das erst der Anfang ist? Kann ich so noch den Alltag bewältigen? Was passiert mit mir?Alltägliche Erledigungen werden plötzlich zentnerschwer. Das Bedürfnis einfach die Augen schliessen zu können riesengross. Selbst jetzt während ich diesen Beitrag verfasse, möchte ich eigentlich lieber meine Augen schliessen. Geschlafen habe ich aber sicherlich genug. Vielleicht waren die vielen Eindrücke der letzten Wochen einfach zu viel? Vielleicht fehlte mir der Müssiggang, der in den Ferien zu kurz kommt, weil keine Rückzugsmöglichkeit besteht? Vielleicht lege ich mich präventiv auf den Rücken weil alles was auf mich zukommt als zu viel erscheint?

Ich weiss das morgen viel auf meinem Tisch liegt. Die Inbox wird voll sein. Die Projekte, die man auf „nach den Ferien“ verschoben hat, sind jetzt aktueller den je. Privat wartet die Vorbereitung unseres Umzugs der schon in sechs Wochen über die Bühne gehen soll. Bald muss ich meinem Vorgesetzten kommunizieren, dass ich studieren möchte und ich habe Angst vor seiner Reaktion. Bald sollten wir unserer Arbeitskollegin kommunizieren, dass sie ihren Job verliert und das obwohl sie als Einzige ein wenig Abwechslung in die Bude bringt und mir das arg Fehlen wird.

Sollte ich jetzt nach 2,5 Wochen Urlaub nicht voller Elan diese Herausforderungen anpacken können? Die Erwartung an mich selber wäre es. In schöner Regelmässigkeit belehrt mich meine Seele über ihr verlängertes Sprachrohr, den Körper, eines besseren. Ich bin schon fast 40 Jahre mit ihr unterwegs und noch immer verstehe ich nicht was sie mir sagen will, geschweige handle ich so dass sie nicht zu diesen Schritten greifen müsste. Es geht schon besser als früher, keine Frage. Die letzten Angstattacken liegen Jahrzehnte zurück, aber in diesen Momenten fühle ich mich ihnen wieder näher. Fühle ich mich schwach, müde und ausgeliefert. Das Ziel wird dadurch erreicht. Plötzlich konzentriere ich mich wieder um mich und mein Befinden. Frage mich was mir fehlt und weshalb es dazu gekommen ist. Frage mich, was ich jetzt brauche, dass es mir wieder besser geht. Ich ziehe mich zurück und schaue nach innen. Das wäre alles wohl nur halb so schlimm wenn es mir gelänge es im vollen Umfang zu akzeptieren. Mittlerweile toleriere ich es, habe gelernt damit zu leben. Was bleibt mir denn schon anderes übrig? Aber es passt mir nicht in den Kram. Nicht in das Selbstbild des aktiven, starken Menschen, den ich gerne wäre. So bleibt der fahle Nachgeschmack, dass ich nicht richtig mit meinen Energien haushalte.