Tag 17 – FERIEN

Allgemeines Befinden: 4/10, Craving: 4/10, Problembewusstsein: 6/10

Heute beginnen meine Ferien und deshalb wollte ich mir ein spezielles Frühstück gönnen. Leider ist das dann absolut ausgeartet. Es war ein wenig wie „wehe wenn sie losgelassen“. Etwa eine Stunde später habe ich mich dann wieder gefangen. Jetzt habe ich mein Tagesbedarf an Kalorien allein mit Süssem und Gebäck gedeckt. Mittagessen brauchte ich auf jeden Fall keines mehr. Dafür gehe ich jetzt eine Runde joggen um abends wieder richtig hungrig zu sein.

Tag 16: Willkommen liebes Safer-gambling Publikum

Allgemeines Befinden: 5/10, Craving: 3/10, Problembewusstsein: 7/10

Seit gestern Abend können sich einige mehr auf diesem Blog verirren. Die Homepage https://www.safer-gambling.ch/, die sich der Prävention von Glücksspielsucht verschrieben hat, verlinkt auf meine Seite, was mich ausserordentlich freut. Gestartet als Tagebuch meiner Abstinenz habe ich mittlerweile einiges an Informationen und Erfahrungsberichten zusammengetragen und freue mich über zusätzliches Publikum. Gerne könnt Ihr auch direkt mit mir interagieren. Beidseitige Anonymität ist jederzeit gewährleistet.

Mein Spieldruck hat bisweilen wieder nachgelassen. Mein letzter Arbeitstag steht vor der Tür. Er hält noch einmal viel Arbeit und emotional aufgeladene interne Auseinandersetzungen für mich bereit. „Ja, wolle mer’n eroilosse?“ Ja, das wollen wir!

Tag 15 – Schritt für Schritt

Allgemeines Befinden: 6/10, Craving: 4/10, Problembewusstsein: 6/10

Das US Open hat begonnen und ich bin weiter spielfrei. Es braucht immer noch einiges an Überzeugungsarbeit um dem Sack Flöhe in meinem Kopf nicht nachzugeben. Im Moment fühlt es sich an wie etwas Süsses, welches man in einer Vitrine sieht. Man hat keinen Hunger, aber man weiss, es schmeckt unverschämt gut. Der Unterschied liegt darin, dass nach diesem Stück Kuchen der Appetit nicht gestillt wäre. Man würde ein zweites, etwas grösseres Stück bestellen und danach die gesamte Bestellung nochmals verdoppeln. Irgendwann würde einem schlecht und wohl bereits nach dem zweiten, eigentlich unnötigen Stück, würde man sich schämen so verfressen zu sein. Das heisst aber nicht, dass man nicht locker dazu fähig wäre den gesamten Vitrineninhalt zu leeren.

Letzte Woche hatte ich Situationen, da wurde mir schlecht als ich Ausschnitte eines berühmten Tennismatchs im TV sah. Das hatte ich vorher noch nie. Als würde es mir hochkommen weil mich mein eigenes Vethalten derart aneckelt. Es wäre schön, hätte das noch ein wenig angehalten. So tröste ich mich, dass es noch drei Tage dauert bis ich einen 2,5-wöchigen Urlaub antreten darf. Schritt für Schritt, anders funktioniert es nicht.

Tag 11 – Freunde informiert

Allgemeines Befinden: 7/10, Craving: 2/10, Problembewusstsein: 6/10

Zum Wichtigsten zuerst: Das morgendliche Reissen und die gespürte Rückfallgefahr zog ziemlich schnell vorüber. Ich bin einfach aus der Spirale ausgestiegen. Kein Recherchieren, kein Wetten. Das Spiel habe ich nicht einmal geschaut. Rein aus Interesse habe ich mir die Zwischenstände und den Schlussstand angeschaut. Ich dachte aber, ich sei stolzer darauf. Das liegt mir einfach nicht. Ich sehe es nicht als selbstverständlich an und auch nicht als irre Leistung. Mein Gefühl liegt irgendwo dazwischen.

Heute wollte es der Zufall, dass einer meiner Kollegen über Whatsapp unserer Gruppe den Vorschlag gemacht hat in ein professionellen Wettring zu investieren. Auf jeden Fall vermute ich das. Ich habe nicht einmal den Link angeklickt. Es interessiert mich einfach nicht. Das war für mich die perfekte Steilvorlage um nachzuholen, was ich schon länger hätte tun sollen, nämlich sie informieren. Ich habe einigermassen ausführlich mein Problem geschildert und darum gebeten mich bei diesem Thema zukünftig aussen vor zu lassen. Sie haben erfreulich und für ihre Massstäbe empathisch reagiert. Ich bin sehr froh ist das endlich vom Tisch.

Jetzt frage ich mich ob es dieses Mal tatsächlich anders ist als die unzähligen Male zuvor? Das frage ich mich ständig. Gibt es etwas was mir ein wenig Zuversicht geben kann? Irgendeine entscheindende Veränderung? Wenn man sich selber so häufig selber enttäuscht hat wie ich mich selber, traut man sich nicht mehr zu hoffen. Man wird realistisch oder sogar pessimistisch. Wir zählen den elften Tag. Im Gegensatz zu früher nehme ich Medikamente. Ich schreibe im Moment jeden Tag diesen Blog, was mir hilft mich intensiver denn je mit meiner Krankheit zu beschäftigen. Ich habe meine Freunde aufgeklärt. Ich war sehr ehrlich zu mir und zu meinen Nächsten. Ich habe den Zugriff auf mein Geld noch mehr eingeschränkt. Reicht das? Ich hoffe es inständig.

Tag 10 – Hopp IK Sirius!

Allgemeines Befinden: 4/10, Craving: 6/10, Problembewusstsein: 8/10

Heute Morgen fühlt sich alles ein wenig anders an. Ich bin froh um diesen Blog, heute ganz besonders. Ausgelöst von einem gestrigen Zeitungsbericht, Diskussionen über Whatsapp meiner Kollegen und vermutlich der verstrichenen Zeit seit dem letzten Mal ist heute der Druck wieder stärker. Heute Abend steht ein Champions League Spiel mit Schweizer Beteiligung an. Unter den gewohnten Umständen würde ich mich jetzt intensiv damit auseinandersetzen bis ich dann irgendwann die fixe Idee hätte „zu wissen“ wer gewinnt oder wie viele Tore geschossen werden etc. Das entbehrt jeglicher Logik, macht aber irgendwie Spass. Es kreeiert eine Spannung, die sich langsam steigert bis das Spiel beginnt und dann in Sieg oder Niederlage resultiert. In Glück gehabt oder nicht. Vielleicht ist das ansatzweise verständlich für jemanden der eine Mannschaft leidenschaftlich unterstützt und diese Emotionen kennt.

Die Krux liegt darin, dass über das eingesetzte Geld eine durchaus wünschenswerte Emotion verschoben wird in Wettkämpfe, die einem normalerweise völlig am Arsch vorbeigehen würden. Was interessiert es mich ob eine schwedische Mannschaft namens IK Sirius gegen eine andere namens KK Kalmar gewinnt? Sehr viel. Sehr viel, wenn ich mich vorher eingelesen habe in deren aktuelle Verfassung, getätigte Transfers usw. Alles Informationen die dank Internet leicht zugänglich sind und in einschlägigen Foren diskutiert werden. Und plötzlich ist da eine Art Leidenschaft. Ein Flämmchen, ausgelöst über Geldeinsatz, Zeiteinsatz und dem Wunsch ein bisschen gescheiter zu sein als der Buchmacher, der eigentlich über lange Zeit sowieso immer gewinnt und den man deshalb irgendwie verabscheut.

Ist es gefährlich sich wieder an diese Emotionen zu erinnern? Vielleicht. Vielleicht ist es aber auch utopisch diese aus meinem Leben verbannen zu wollen. Ich kann den Zugang zu diesen Seiten sperren aber mit den Emotionen und Erinnerungen muss ich lernen umzugehen. Deshalb werde ich heute wie ein trockener Ex-Trinker in einer Bar den Fussballmatch verfolgen und das ohne darauf gesetzt zu haben und hoffe, dass ich es trotzdem ein wenig geniessen kann. Hopp YB!

Tag 9 – Es lebe der Sport

Allgemeines Befinden: 7/10, Craving: 2/10, Problembewusstsein: 7/10

Sport ist bei mir allgegenwärtig. Bis vor Kurzem bin ich viel gejoggt und habe an Volksläufen teilgenommen. Dem häufigen Trainieren ohne wirkliches Ziel kann ich im Moment aber nicht mehr viel abgewinnen. Im Moment soll mir der Sport vor allem Spass bereiten oder etwas bewirken. Deshalb mache ich etwas mehr Krafttraining oder spule im Fitnesscenter Kilometer ab und lese dabei ein wenig. Das alles führt zu einem besseren Körpergefühl und dient mir als Ventil für überschüssige Energie. Ich bin gespannt, welches Ventil ich für die viele Energie finde, die bis vor einer Woche noch in die Sucht geflossen ist.

Tag 8 – 1 Woche ist geschafft!

Allgemeines Befinden: 6/10, Craving: 2/10, Problembewusstsein: 7/10

Eigentlich würde man ja meinen, dass man am Wochenende eher mehr Zeit zur Verfügung hat Blogeinträge zu verfassen aber das stimmt nicht. Zumindestens dieses Wochenende war zu voll gepackt mit Besorgungen, Erledigungen und jede Menge Sport.

So sind wir bereits am achten Tag angelangt und feiern eine Woche Abstinenz. Das ist erstmal nicht so berauschend und doch ein Ausrufezeichen in einer Zeit, in der ich kaum je eine Woche durchgehalten habe. Das stimmt mich zuversichtlich. Die Woche Abstinenz und auch wie ich mich dabei fühle. Die ersten beiden Tage waren schwierig zu meistern. Da brauchte es viel Willen, Kampf und Überzeugung das Richtige zu tun. Mittlerweile geht es mehr darum das Problembewusstsein aktuell zu halten und allfälligen Leerzeiten, Impulsen und Ersatzhandlungen zu widerstehen.

Funktioniert hat das Einrichten eines fremden Passwortes auf meinen eigenen Konten. Das schränkt mein Bewegungsfreiraum schon sehr ein. Alfällige Überweisungen, seien sie von extern oder von mir selber veranlasst, können nicht mehr bezogen werden. Ich könnte zwar an einen Schalter laufen und mich irgendwie versuchen auszuweisen aber die Hürde ist genügend hoch, dass sie funktioniert. Was ich noch nicht geändert habe, ist das Passwort zum Geschäftskonto. Ein Hintertürchen? Nein, aber eine Nachlässigkeit. Ich erstaune mich selber immer wieder wie meine Sucht ausser in meinen Therapien nie zum Thema wird. Es erkundigt sich niemand aktiv danach. Meine Freundin ist zu stark mit sich selber beschäftigt und meine Familie weiss zwar davon, aber denkt es sei schon länger gelöst. Alle Anderen habe ich nicht eingeweiht.

Tag 5 – Ersatzhandlungen

Allgemeines Befinden: 5/10, Craving: 2/10, Problembewusstsein: 7/10

Ich habe mich soeben darüber gefreut, dass ich mich Ende der Woche tatsächlich unbeschwerter fühle als noch am Montag. Das merke zum Beispiel daran, dass andere Sorgen sich breit machen, die im Vergleich zur Sucht Bagatellen sind.

Ich fühle mich heute körperlich nicht sehr gut. Ich erhalte die Quittung tagelanger schlechter Fast Food & Süssspeisen Ernährung (zu viel, zu süss, zu fettig) und begrüsse herzlich die Pickelfraktion. Ich fühle mich ein wenig dämlich und oberflächlich, wenn ich das schreibe aber es ist tatsächlich so, dass mein Aussehen einen ziemlich grossen Einfluss auf mein Wohlbefinden hat. Ich bin nicht übermässig eitel, aber wenn ich Schmerzen irgendeiner Art habe und diese scheiss Pickel schmerzen eigentlich immer ein wenig, schlägt mir das auf die Laune. Ich würde mich dann am Liebsten solange irgendwo verstecken bis ich aus meiner Sicht wieder vorzeigbar bin.

Ein weiterer Aspekt dabei ist, dass ich vermutlich durch die Abstinenz Ersatzhandlungen vornehme. Nach wochenlanger guter Ernährung und viel Sport, habe ich aktuell wirklich Mühe damit. Plötzlich lockt an jeder Stelle etwas Süsses und ich falle in die alte Masslosigkeit zurück. Für den Moment nehme ich das in Kauf. Ich glaube, dass das einfach eine Phase ist und selbst wenn nicht, wäre das das kleinere Übel.

Tag 4 – Ein abwechslungsreicher Tag steht bevor

Allgemeines Befinden: 6/10, Craving: 2/10, Problembewusstsein: 8/10

Heute steht mir ein anstrengender Tag bevor, der von Morgen bis Abend vollgepackt ist. Der gestrige Abend ging für mich traurig zu Ende. Ich hatte bei der Planung des heutigen Tages realisiert welches Datum wir haben und bemerkte erst dann, dass ich den 40. Geburtstag einer ehemaligen guten Freundin vergessen hatte. Dafür dass ich das vergessen habe, habe ich mich geschämt. Es handelt sich um ein äusserst schwieriges Kapitel.

Die heutige Einzeltherapie hat Erstaunliches zu Tage gefördert. Aktuell steht wieder einmal eine wichtige Entscheidung in meinem Leben an (Studium ja oder nein) und wir wollten dem Fakt auf den Grund gehen, weshalb ich mich in der Vergangenheit zunehmend sehr schwer getan habe solche zu fällen. Eine der Hypothesen führt in meine Vergangenheit, im Sinne von „mussten sie früh Verantwortung übernehmen, die nicht kindsgerecht war und lehnen sie heute deshalb ab?“ Die Andere, und deshalb greife ich dieses Thema gerne in diesem Blog zum Thema Spielsucht auf, hat mit dem jahrelangen Spiel zu tun. Was wenn sich das sich immer wieder für eine Option zu entscheiden (gewinnt Spieler 1 und 2) dazu geführt hat, dass ich im realen Leben immer entscheidungsunfähiger wurde? Mal angenommen mein Hirn hat sich eingeprägt, dass ich in Summe mehr falsch als richtig entschieden habe. Das also mehr schlechte Gefühle wie Enttäuschung und Scham anstatt gute Gefühle wie Freude die Folge vieler Entscheidungssituationen war. Dann wäre es doch nur logisch, dass ich bei Entscheidungen, die für mein Leben tatsächlich eine grosse Tragweite habe, mehr die negativen Folgen im Fokus habe als die Chancen. Das würde dann so quasi in einer über die Zeit antrainierte Unlust überhaupt etwas zu entscheiden, resultieren.