Software

Ich arbeite häufig mit zusätzlichen Hindernissen um mich selber immer wieder vor neue Hürden zu stellen rückfällig zu werden.

Am naheliegendsten wäre da alle Geräte, die einem einen Onlinezugang zu Sportwetten ermögliche, zu sperren. Lange habe ich Lizenzen von Gamblock gekauft, aber mittlerweile habe ich genügend Erfahrungen damit um zu sagen, dass das für mich keine optimale Lösung ist. Sie funktionieren auf Windows mehr schlecht als recht. Es stimmt zwar, dass man einschlägige Seiten nicht mehr aufrufen kann, aber es auch normale Seiten wie diejenigen einer Zeitung können beispielsweise geblockt werden wenn darauf von einem Lottomillionär berichtet wird. Daneben ist es einem nicht mehr möglich in die Systemeinstellungen zu gehen, die Tastenkombination CTRL+ALT+DEL führt zu einem Neustart. Total nervig. Daneben finde ich den Support schwach und die Lizenzkosten zu teuer. Hauptkritikpunkt war aber damals dass es kein Produkt für iPhones gibt. Das liegt aber mehr an Apple als an Gamblock.

Mittlerweile habe ich auf gewissen Geräten Gamban installiert. Das kostet ein Bruchteil und funktioniert zuverlässig auf allen Windows Computern. Sehr schneller und sympathischer Support. Einziger Wehrmutstropfen: auf meinem Samsung Galaxy funktioniert auch das nur halbherzig. Über die Einstellungen zugreifen und das App deinstallieren und der Schutz ist weg.

Good old Nokia

Ich habe gemerkt, dass bei mir die Wetterei eigentlich immer mit Recherchen auf dem Smartphone beginnt. Da ich letzthin an einem Tag vergessen habe den Akku meines Smartphones zu laden hatte ich abends im ÖV kein Handy zur Verfügung. Seit langem habe ich deshalb einmal nicht auf ein Display gestarrt, sondern mit die Mitreisenden angeschaut. Irgendwie ist das mittlerweile eine einzige Freakshow. Nicht derjenige, der kein Handy in der Hand hat fühlt sich komisch, sondern alle anderen. Ich habe mich komisch gefühlt. So ein wenig als würde ich die Anderen aktiv beobachten. Aber glücklicherweise kriegt das ja gar niemand mehr mit.

Neu begleitet mich ein Nokia 105. Das kann genau zwei Sachen: telefonieren und SMS versenden. Nicht mehr und nicht weniger.

Gespräche mit seiner Sucht

Sucht: Hey, hee Du!

Ich: Ja? Was willst Du schon wieder?

Sucht: Ich will Dir helfen. Ich sehe doch, dass es Dir nicht wirklich gut geht. Im Gegenteil. Du brauchst eine kleine Aufmunterung. Mach doch nicht so ein Gesicht.

Ich: Wie willst Du mir schon helfen? Du hast mir die ganze Scheisse ja erst eingebrockt.

Sucht: Ach komm, das miese Gefühl kannst Du schnell wieder los werden. Gib doch einfach einen kleinen Tipp ab. Ein überschaubarer Betrag, der Dir nicht weh tut. Dann geht es Dir auch gleich viel besser.

Ich: Nein, nein und nochmals nein. Dieses Mal bleibe ich stark.

Sucht: Das hast Du noch jedes Mal behauptet und nach zirka einer Woche hattest Du jeweils vergessen wie schlecht es Dir ging und hast Dich mir wieder zugewendet. Zu Recht! Ich bin die Einzige, die Dir das gibt was Du brauchst und Dich von diesen elenden Gedanken befreit.

Manchmal spürt man das Craving sogar körperlich

Genau jetzt spüre ich das Craving sogar im Körper. Im Kopf fühle ich Traurigkeit und die Brust schmerzt. Traurigkeit, die eigentlich keinen Platz hat. Sie hat keinen Platz in meinem Arbeitsumfeld aber auch weil ich sie nicht legitim finde. Tränen weil man Geld verloren hat? Tränen obwohl man an allem selbst Schuld ist? Eigentlich würde es meiner Seele gut tun, aber mein Kopf lässt es nicht zu.

Dabei könnte ich auch einfach traurig sein, weil ich schon so lange kämpfe und gefühlt noch nicht wirklich weiter bin. Ich könnte traurig sein, weil es oft hoffnungslos erscheint und ich könnte traurig sein, weil ich mit mir selber so streng bin.

„Nur durch Mut kann man sein Leben in Ordnung bringen“

Dieses Zitat stammt von Luc de Clapiers.

Ich öffne WordPress und merke einmal mehr, dass der Titel „ein allerletztes Mal“ sehr treffend gewählt ist. Wie viele „allerletzte Male“ hatte ich seit ich mittels dieses Blogs versucht hatte von dieser alles durchdringenden Sucht los zu kommen? Unzählige.

Aber was bleibt dem Mensch am Schluss ausser aus der erneuten Niederlage Hoffnung zu schöpfen? Auch dieses Mal versuche ich es positiv zu sehen. Für die Überwindung der Sucht ist ein krachender Verlust allemal sinnvoller als ein fetter Gewinn. Ziemlich bald schossen mir die Gedanken in den Kopf: Vielleicht beurteile ich die Situation falsch. Vielleicht habe ich nicht verloren, sondern das Wichtigste zurückgewonnen: mein Leben

An solchen Tagen fühle ich mich arbeitsunfähig. Ich würde lieber absaufen in der Welt meiner Gedanken. Als ob darin die Lösung liege. Als ob ich mir nicht schon alles x-mal durch den Kopf habe gehen lassen.

Und trotzdem. Das Gefühl sagt mir, dass ich alles schon weiss aber die Puzzleteile falsch zusammensetze. Vielleicht ziehe ich auch die falschen Schlüsse? Vielleicht bin ich zu wenig mutig mein Leben wirklich zu verändern.

Wer bin ich denn noch wenn man mir meine Sucht nimmt? Womit verbringe ich meine Zeit wenn nicht mit Recherchieren von Sportberichten? Was soll meine Gedanken leiten wenn nicht dieser Drang?