Tag 7 wird zu Tag 0

Rückfall. Hoher Betrag. Sehr schlechte Gefühle. Fühle mich körperlich sowieso elend. Sollte für eine Prüfung lernen, kann mich aber praktisch nicht konzentrieren.

Bin weiterhin und wieder stärker hoffnungslos.

Habe jetzt wieder Selbstsperrungen beantragt. Das habe ich das letzte Mal noch nicht gemacht. Entweder aus Nachlässigkeit, Faulheit oder Naivität.

Tag 5: Durchhalten

Normalerweise ist das ja kein gutes Zeichen wenn nach Tag 1 keine weiteren Einträge folgen. Es war tatsächlich teilweise auch hart an der Grenze und es hätte auch sein können, dass ich vom x-ten Rückfall berichten muss. Die Ampel steht aber noch auf grün, was mich sehr freut!

Ich würde mir wünschen es wäre einfacher aber so hoffe ich darauf, dass es zunehmend einfacher wird. So habe ich es zumindestens in Erinnerung.

Tag 1: … aber der Glaube fehlt

Ich schreibe Tag 1 in den Titel. Die Absicht wäre. mich damit zur Abstinenz zu motivieren. Das hat schon einmal recht gut geklappt und einmal mässig. Dieses Mal schreibe ich den Titel und sofort kommt der gefühlte Schlag in die Magengrube, der mit dem Gedanken „das schaffst Du ja sowieso nicht“ einhergeht.

Das ist bezeichnend für mein momentes Grundgefühl. Ich fühle mich beschissen und mein Selbstbewusstsein hat sich irgendwo in einer Höhle verkrochen und will schon länger nicht mehr rauskommen.

Ich frage mich immer wieder ob das, wie ich mich fühle, schon fast unter Depression geht. Ich weiss aber, dass diese Phase viel länger dauern müsste, dass mir das diagnostiziert würde. Auch dürfte ich dann nicht mehr so Appetit haben 🙂 Aber zur depressiven Episode reicht es allemal. Nachdem ich gestern nochmals einen hohen Betrag auf eine völlig irrwitzige Wette gesetzt habe, habe ich jetzt den üblichen Kater. Gerade einmal zwei Tage hat es gedauert bis mich der Hafer wieder gestochen hatte. Die Abstände werden immer kürzer, die Ratlosigkeit immer grösser.

Vorhin war ich eine Stunde joggen. Es war körperlich anstrengend, vor allem aber auch geistig. Wenn man in einem Loch sitzt, hat man manchmal das Gefühl das einem nur noch ein kompletter Befreiungsschlag helfen könnte. Den Job künden, die Beziehung auflösen, umziehen, neu anfangen! Das ist ein Wunsch den ich im Geheimen immer wieder hege. Keine Ahnung wie es mir anschliessend gehen würde, aber wenigstens wäre dann das Grau nicht mehr so prägnant. Vielleicht wäre es dann schwarz, vielleicht aber auch heller.

Ich empfinde es aber auch als Flucht. Als Reaktion, die ich von früher her kenne und miterlebt habe. Als wirkliche Lösung taugt sie wohl nicht. Aber was taugt denn? Wo kann ich ein kleines Schrittchen in die richtige Richtung gehen? Ich habe das Gefühl, dass mich meine negativen Gefühle umgeben und verschlingen. An der Spitze der negativen Gefühle steht im Moment der Hass. Der Hass auf das Leben, auf die Lebensumstände, auf die Anderen und die grösse Portion Hass bekomme ich selber ab.

Wie lange willst Du so noch leben?

Dieser Satz habe ich soeben auf einer Hypnosetherapieseite entdeckt. Ich weiss nicht, ob er bewusst zweideutig formuliert ist.

Das Gute daran ist, dass ich es zwar im Sinne der Hoffnungslosigkeit lese aber mich nicht davon angesprochen fühle. Ich bin zwar seit mehr als 15 Jahren glücksspielsüchtig, habe soeben wieder eine ganz tragische Phase, aber den Lebensmut hat es mir nicht genommen.

Das und die eigentliche Krankheitseinsicht sind die einzigen beiden guten Elemente. Daneben ist es auch aktuell wieder eher ein Kampf mit dem Leben.

Ich bin unglücklich und stelle mir die Huhn oder Ei-Frage: Was war zuerst? War ich zuerst unglücklich und dann habe ich angefangen zu spielen oder bin ich unglücklich weil spielsüchtig bin?

Ich habe diese Woche in der Gruppentherapie von meiner Gleichgültigkeit erzählt. Ich fühle mich, als hätte ich nichts zu verlieren. Ich bin derart abgestumpft, dass keine Emotionen mehr zu meinem Herz gelangen.

Viel gewonnen? Egal! Viel verloren? Egal? Beziehung im Arsch? Egal? Job fürn Arsch? Egal!

Wie kommt man da raus? Wie soll ich die nächsten Tage, ja Wochen ohne mein Spiel als Emotionslieferant überleben? Das Spiel hilft mir mein Leben zu strukturieren. Das Spiel ist mittlerweile mit mir verwachsen.

Ich habe im Moment keine Antworten, nur Fragen. Ich muss jetzt aber echt an die Arbeit. Ich stelle also die Zähler der Abstinenz-Uhr (ein Nichtraucher App namens EasyQuit) auf Null und bin selber gespannt ob ich bald weiterschreibe oder ob es bald wieder „ein allerletztes Mal“ heisst. Ich hoffe nicht!

Garantiert spielfrei!

Stehst Du an einem Punkt, an dem Du allem abschwören möchtest? Hast Du gerade sehr viel Geld verloren und verfluchst diese elende Spielsucht? Das ist super! Das ist der erste Schritt abstinent zu bleiben und damit den Weg zurück in Dein normales Leben zu finden.

Die kommende Zeit wird hart und Du musst stark sein. Vor allem aber musst Du es wirklich wollen. Wenn Du nur auf diese Seite gefunden hast, weil Du gerade extrem frustriert bist, kannst Du jetzt weiterklicken. Der unbändige Wille aufhören zu wollen, steht am Anfang einer erfolgreichen Genesung. Davon bin ich hundertprozentig überzeugt. Zu oft habe ich mich schon selber belogen und das eine oder andere Hintertürchen offengelassen.

Ich werde unter Anleitung zur Abstinenz eine Punkte zusammentragen, die mir geholfen haben abstinent zu bleiben und auf die ich bei der Recherche zu diesem Thema gestossen bin.

Anleitung zur Abstinenz

Am liebsten hätten wir doch alle eine Liste, die es abzuarbeiten gilt und danach sind wir die Glücksspielsucht los. So einfach ist es leider nicht. Unter Verlauf wird erklärt wie eine Glücksspielsucht schleichtend entsteht und in der Regel verläuft.

Es gibt aber durchaus Wege die mir erlaubt haben eine lange Zeit abstinent zu bleiben. Nachstehend werde ich diese Ideen für andere sammeln und laufend ergänzen.

Alles hat ein Ende, nur diese Sucht nicht

Es ist äusserst depremierend wenn man sich mit den Heilungschancen dieser Sucht auseinandersetzt. Steht man wiedereinmal am Punkt dem Ganzen ein Ende setzen zu wollen und fragt Dr. Google nach der Chance „geheilt“ zu werden, findet man keine eindeutigen Zahlen. Die meisten Erlebnisberichte und Blogs die ich bei der Recherche gefunden haben, sind in einer abstinenten Zeit entstanden.

Irrationales Verhalten

Menschen verhalten sich alles andere als ständig rational. Aus der Psychologieforschung haben wir mehrere Erklärungsmodelle, die uns Glücksspieler von uns selber sehr bekannt sein dürften, die wir aber vielleicht noch nicht durchschaut haben:

  1. Als Verlustaversion bezeichnet man in der Psychologie die Tendenz von Menschen, Verluste höher zu gewichten als Gewinne. Die Verlustaversion ist ein Bestandteil der Prospect Theory von Kahneman und Tversky, die bewiesen haben, dass sich Menschen in Entscheidungssituationen irrational verhalten, wenn Unsicherheiten eine Rolle spielen. Sicher würden alle zustimmen, dass CHF 500 gewinnen einfscher ist als dieselbe Menge zu verlieren. In Wirklichkeit hat man aber sogar herausgefunden, dass die entscheidende Motivation der meisten nicht das Gewinnen sondern das Vermeiden von Verlusten darstellt.