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Etwa ein Jahr ist vergangen seit meinem letzten Eintrag.

Ich kann mich ehrlich gesagt nicht mehr daran erinnern, wie lange ich in dieser Phase absistent blieb. Es mag sein, dass ich in dieser Zeit an der 100 Tage Challenge teilnahm, die man unter https://www.fightforyou.com.au findet und ich etwas vom Besten finde was es in diesem Bereich gibt.

Ich hatte damals die 100 Tage Abstinenz tatsächlich erreicht und bin aber kurz danach wieder rückfällig geworden. Jetzt stellt sich die Frage, ob das als Erfolg gewertet werden kann? In der Gruppentherapie ist die vorherrschende Meinung die, das jeder Tag Abstinenz ein erfolgreicher Tag ist. Sie sind aber natürlich auch darauf aus ein Gegengewicht zu den ewigen Vorwürfen, die sich die Meisten selber machen, zu geben.

Unter https://youtu.be/d23kP61aZ3U findet sich ein Erfahrungsbericht eines Australiers, der daran teilgenommen hat und offenbar eine gewisse Berühmtheit erlangt hat. Die 100 Tage hat er gut überstanden und zieht ein positives Fazit der Kampagne. Ich frage mich, was der Typ wohl jetzt macht und ob er wohl auch, wie ich, kurz danach rückfällig wurde.

Manchmal ist die Rückfallgefahr oder einfach die Realität derart erdrückend, dass man die Hände am liebsten in den Schoss legen würde und den „Kampf“ aufgeben möchte.

Ich stehe wieder an einem Punkt, an dem ich innehalte und überlege was ich mit meinem Leben erreichen möchte und wo ich im Moment stehe. Obwohl ich gerade aus drei Wochen Urlaub zurückkehre, fühle ich mich leer. Es geht darüber hinaus, dass ich nach so langer Zeit Abstand vom Arbeitsalltag nun einfach keine Lust habe zu arbeiten. Das gehört dazu, das kennt jeder. Bei mir fühlt es sich aber anders an, stärker. Es ist tatsächlich das Gefühl, dass es doch an der Zeit wäre für mich und meinen Weg einzustehen und sich dieses Mal nicht nur zu fragen, was ich möchte und wo ich hin will, sondern das auch aktiv in Angriff zu nehmen.

Es kann sein, dass dieser Blog Teil einer Kampagne wird und darüber hinausgeht für mich als Tagebuch zu funktionieren. Aus den Statistiken weiss ich, dass sich nur sehr selten jemand auf dieser Homepage verirrt. Im Moment schreibe ich deshalb nur für mich und möchte mich nicht fragen, ob dieses oder jenes überhaupt interessant zu lesen wäre. Ich gebe aber zu, dass es natürlich viel mehr Spass machen würde zu wissen, dass jemand von diesen Zeilen profitiert. Je nachdem könnte ich mir auch vorstellen eine wirklich aktive Rolle in der Glücksspielprävention einzunehmen. Keine Frage, dass sich das lohnen würde.

Wie geht es nun aber weiter mit mir? Beruflich gesehen, stehe ich an einem Scheidepunkt. Ich spüre die Angst etwas zu verändern. So bequem sind die Freiheiten und die finanzielle Absicherung. Gleichzeitig bin ich mit meinem Job aber unzufrieden, stehe schon lange an demselben Punkt und werde einfach nicht aktiv, etwas daran zu ändern. Das soll sich aber dieses Jahr noch ändern. Ich bin es einfach leid passiv zu sein.

Heute Morgen nach dem Aufwachen habe ich, mitunter wegen erneuten Rückfällen während meines Urlaubs, ein tristes Fazit gezogen. Ich mache schon sehr lange einiges falsch. Einiges was gegen meine Prinzipien geht. Bei vielen Themen ist es aber einfach unklar ob es richtig oder falsch ist. Weil es derart schwierig ist alles richtig zu machen, möchte ich im Moment einmal damit beginnen die Sachen, die mir eindeutig nicht gut tun, zu unterlassen. Dazu gehört ganz klar das Glücksspiel und dieser ständige „nur noch einmal“-Kreislauf und die Unehrlichkeit. Ich bin durch das Glücksspiel zu vielen in meinem Umfeld unehrlich. Nicht das ich sie um Geld betrüge. Es geht nur darum, dass sie nicht wissen wie es mir wirklich geht oder ich sie im Unklaren lasse, wie aktiv ich immer noch im Glücksspiel bin. Das belastet meine Seele, da mir Ehrlichkeit eigentlich etwas vom Wichtigsten ist. Auch im Arbeitsalltag möchte ich ehrlicher sein, bzw. eindeutiger sagen, was ich möchte und wo ich hin will. Diese Passivität führt zu keinem guten Selbstwert und ich habe auch immer weniger das Gefühl, das Glück in den eigenen Händen zu haben.

Das steht im krassen Gegensatz zu einem schönen Gedankengang den ich heute Morgen hatte. Eigentlich kann ich mich enorm glücklich schätzen. Meine Ausgangslage ist extrem gut. Ich bin gesund, im besten beruflichen Alter, habe einiges an Arbeits- und Lebenserfahrung im Rucksack, ein gewisses finanzielles Polster, keine Schulden, eine wunderbare Familie und eine Freundin, die mich merklich liebt und sich bemüht mir den nötigen Freiraum zu geben um mein Leben zu verwirklichen..