Tag 1: Kleine Brötchen machen auch satt

Gestern war ein schrecklicher Tag. Ein schrecklicher Tag für mein Ego. Dieses muss ich im Moment wirklich immer wieder zu Grabe tragen.

In der Gruppentherapie fällt mir bei den Anderen immer auf, wie häufig ihnen ihr Ego beim Finden einer Lösung im Wege steht. Der erste, schlimme Schritt ist immer das sich eingestehen krank zu sein. Das ist ja sowieso einer der vier Kränkungen, die der Mensch im Laufe seiner Evolution erfahren musste: „Man ist nicht immer Herr im eigenen Haus“. Manchmal entscheidet man nicht mehr selber, sondern die Gedanken entscheiden für uns. Die schlimmste Form dieser Entrückung vom eigenen Ich ist bestimmt die Schizophrenie, aber auch eine ausgeprägte Sucht lässt einem ein anderer Mensch werden.

Ja, ich bin ein anderer Mensch geworden und mein Ego findet das überhaupt nicht toll, krank zu sein und nicht mehr entscheiden zu können etwas zu lassen, was mir schadet.

Da für mich alles in einem grösseren Zusammenhang steht (und vielleicht auch weil das Leben für mich sonst entweder sinnlos oder ungerecht wäre), muss dieser Egoverlust sicher auch zu etwas gut sein. Ich merke, dass ich durch die jetzige Krise, die aber schon vor Jahren ihren Anfang nahm, meine Rollen extrem hinterfrage.

Das ist denn wohl auch der eigentliche Vorteil. Getreu dem Motto „ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert“, wird man auch von dem einen oder anderen Eigenbild befreit welches längst überholt ist. Schwierig ist es aber nicht in neue zu verfallen sondern sich selber neu zu definieren. Ein Lebensthema.

Auch mein Ego steht mir ständig beim Finden einer Lösung im Weg. Da der „Siebesiech“, der ja sicher irgrendwo in mit wohnt, schon arg ramponiert ist und ich mich lieber um mein Selbst als um mein Ego kümmere, habe ich in Momenten der Krise auch immer wieder Entscheidungen getroffen, die sinnvoll waren. Für den Entscheid die Verwaltung meines Geldes abzugeben, gebe ich mir selber die Bestnote. Bestnote auch an meine Partnerin, die es mit ihrer Art schafft einen Spagat zwischen Kontrolle und Verständnis zu machen. Immer wenn mein verletzer Stolz wieder die Eigenregie des Geldes übernehmen möchte, hat sie deeskaliert. Natürlich ist es mein und vermutlich der Wunsch aller Spieler irgendwann die Kontrolle wieder selbst zu haben. Das ist aber ein langer, steiniger Weg.

Im Moment ist für mein Ego kleine Brötchen backen angesagt.

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