Wenn es draussen nichts zu holen gibt

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Manchmal ist die Bühne geschlossen und kein Stück wird gespielt. Das ist immer dann der Fall, wenn man spürt dass es im Aussen im Moment nichts zu holen gibt. Man nimmt zwar am Leben teil, gibt vielleicht sogar sein Bestes, aber irgendwie wird man nicht wahrgenommen. Man scheint irgendwie keine Rolle zu spielen.

Das sind Zeiten in denen man sich wieder sich selber zuwenden sollte. Zeiten, die man sich bewusst einplanen sollte. Ich bin sogar davon überzeugt, dass es Zeiten sind, die sich die Seele einfach nimmt, wenn man sie ihr nicht aktiv gibt, nicht zugestehen will.

Vor rund sechs Wochen, nach dem herben Verlust, ist für mich eine solche Zeit angebrochen. Ich habe mich viel mit mir und meinen Gefühlen auseinandergesetzt. Habe mir eine Art „Überlebensstrategie“ zurecht gelegt, inklusive Budgetplanung, aktives Geld wegüberweisen etcetera, etcetera.

Bis jetzt hat diese Planung sehr gut funktioniert. Ich habe mittlerweile sechs Wochen nicht mehr gewettet, habe seit gestern ein Monatsbudget auf der hohen Kante und kann ein wenig geruhsamer mit mir umgehen. Auch ist da unbestreitbar ein Stolz über das Erreichte vorhanden, welcher mir sicherlich hilft die Disziplin beizubehalten.

Bei näherer Betrachtung hat sich vor allem meine Selbstbewertung verändert. Wie sehe ich mich und was denke ich über mich, wenn ich mich im Spiegel betrachte? Der „innere Kritiker“ ist erstaunlich leise geworden. Es gehen ihm die Argumente aus und wenn er dann mal wieder welche hat, hört man ihm einfach nicht mehr zu.

Heute habe ich ein paar Stunden für mich, für mich ganz alleine. Ich merke, dass die letzten beiden Wochen Substanz gekostet haben. Ich hatte anstrengende Tage bei der Arbeit, habe mich parallel um andere Stellen beworben und habe sogar an einem Assessment teilgenommen. Gestern Abend ist dann das freudige Urteil eingetroffen: man würde mich sofort einstellen.

Diese Nachricht freut mich zwar, aber ich merke auch, dass ich mir mit einem beruflichen Wechsel in der derzeitigen Lage auch zu viel zumuten könnte. Nicht weil ich das Gefühl hätte, ich wäre der neuen Stelle nicht gewachsen. Es ist viel mehr, weil ich dann unweigerlich wieder auf das Aussen fokussiert wäre und mich wieder von mir und meinem Genesungsprozess abwenden würde. Etwas, was im Moment erste Priorität geniesst und ich nur unterbrechen würde, würde ich meinem absoluten Traumjob begegnen. Das ist aber nicht der Fall.

So bin ich im Moment einfach glücklich, dass ich immer wieder die Zeit finde mich mit mir zu beschäftigen, nicht auf irgendeiner Bühne zu stehen und Menschen um mich zu haben, bei denen ich keine Rolle zu spielen habe, sondern einfach sein kann, wie ich bin. Ich habe mir beispielsweise gestern überlegt, ob ich andere bei der Entscheidungsfindung zu Rate ziehen soll. Ich bin aber zum Schluss gekommen, dass die, die mich wirklich gut kennen, sagen würden: „Wieso willst Du von mir wissen, ob du diese Stelle annehmen solltest? Du weisst es doch.“

Das sind Menschen, die auch noch frenetisch jubeln, wenn man gerade einen riesengrossen Fehler begeht. Kommt dir das bekannt vor? Fällt dir bei diesen Worten spontan jemand aus deinem Umfeld dazu ein? Ja? Verbring mehr Zeit mit solchen Menschen! Sie haben es verdient! Falls dir aber auch nach intensivem Suchen niemand einfällt, bei dem du einfach so sein kannst und richtig bist, wie du bist, dann such unbedingt weiter. Es gibt sie! Sie sind irgendwo da draussen und es lohnt sich sie zu finden!

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