Rubikon: ich komme!

Man entwirft unendlich viele verschiedene Strategien beim Versuch mit dem Glücksspiel aufzuhören.

Die Sportwettenanbieter beispielsweise lassen alle eine Sperrung des Kontos zu. Da gibt es solche, die nehmen das Thema wirklich ernst und haben mich auch bei mehrfacher Nachfrage nie wieder akzeptiert. Chapeau! Namentlich fällt mir Betfair, die Wettbörse, die mir seinerzeit die erste 4 Dollar Wette entlockte und Bet365 ein. Andere sperren einem 30 Tage, was einfach lächerlich ist. Ich habe mit dem Zählen aufgehört. Lass es 30 Anbieter sein bei denen ich auf der Blacklist stehe, weil ich mich bei einem Selbstrestriktionsversuch habe sperren lassen. Ich glaube aber eher, dass ich auf der Goldlist stehe. Wenn man mein Spielverhalten analysiert, entspreche ich wohl einem perfekten Kunden: zahlungskräftig, hohe Einsätze, viele Wetten und nach Verlusten schnelle Wiedereinzahlungen. Das aller Wichtigste ist aber: ich gehöre zu den sogenannten Einzahlern. Einzahler sind in der Sportwettenbranche diejenigen, die nie auf einen grünen Zweig kommen.

Das war aber natürlich schon anders. Es gab Zeiten, da hatte ich mein Spiel im Griff, gehörte zu den Auszahlern und konnte mir so zahlreiche Geschenke machen. Hier ein Abendessen, da ein Wochenende in einem Luxustempel. Ich liess es mir schon oftmals, finanziert vom Glück, gut gehen.

Das wirklich Traurige aber liegt darin, dass mir meine Glücksspielsucht etwa 10 Jahre meines Lebens gestohlen hat, bzw. ich mir selber diese Zeit unwiederbringlich genommen habe. Etwa 10 Jahre schätze ich die Zeit in der ich jetzt pathologisch spiele. 10 Jahre in denen ich in all meiner Freizeit immer in Gedanken an die nächste Wette war. Der Verlust von Geld ist zwar schlimm, hält aber emotional erstaunlich kurz an. Ich kann mir deshalb sehr gut vorstellen, dass bei mir ein Lottogewinn nur zusätzliche Probleme schaffen würde.

Das aller-, allerschlimmste jedoch liegt darin, dass ich meine Nächsten und natürlich mich selber um Lebensqualität betrogen habe. Mir fallen unzählige Momente ein, bei denen ich höchstens halbanwesend war. Ferien im Südtirol, Konzerte mit meiner Nichte, Eishockeyspiele, mein Sprachaufenthalt in Kanada. Alles überschattet und ertränkt in einer Sucht, die bis heute mein Leben bestimmt wie ein Säugling.

Nun wende ich mich mir zu, meinem eigenen inneren Kind. Für alle Esoterikhasser unter Euch: sprechen wir doch einfach vom eigenen Seelenleben. Ich wende mich mir selber zu und frage mich: was willst Du mit Deinem Leben?

Mein grösster Wunsch wird gut von einer Vorstellung illustriert, die mich schon lange begleitet. In diesem Bild sitze ich nach meiner Pensionierung mit einem Glas guten Rotwein da und sehe zufrieden auf mein Leben zurück. Ich habe mich schon oftmals gefragt, was mir dieses Bild wohl sagen will? Ich sitze alleine dort, was ich so interpretiere, dass es ganz klar um mich und meine eigene Zufriedenheit geht. Das Glas Rotwein steht für den Genuss und sich etwas Kleines gönnen. Das Wichtigste ist aber, das zufriedene Lächeln. Entweder habe ich dann gefunden was ich schon ein Leben lang suche, oder was viel wahrscheinlicher ist, ich habe mich gefunden. Ich weiss wer ich bin, was ich brauche, wer mich umgeben soll und darf und bin mit mir zufrieden und im Einklang. Eine wunderschöne Vorstellung.

Ich bin auf dem Weg, keine Frage. Wo ich jedoch heute stehe, das werde ich wohl erst am Ziel wissen.

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