Zwei Wochen Nein

  • Nein zum Rückfall
  • Nein zum Versuch Geld zu gewinnen, welches ich am Schluss sowieso wieder verliere
  • Nein dazu mich immer schlecht zu fühlen
  • Nein Gründe zu schaffen an meinem Wert zu zweifeln
  • Nein zum Spiel
  • Nein zu lebenslanger Therapie weil ja etwas nicht mit mir stimmt
  • Nein dazu ein Medikament zu nehmen welches mein Körper bealastet

It’s the devil in me

Bereits sind wir am 10. spielfreien Tag angelangt und ich frage mich selber, weshalb etwas das vorher so schwierig war, in diesen Tagen so einfach geht.

An der letzten Gruppensitzung konnte ich hören, wie viele einen Kampf mit den eigenen inneren Stimmen führen. Jemand hat vom Engelchen und Teufelchen auf der Schulter gesprochen, was ich eine schöne Verbildlichung finde. Auch bei mir sitzen sie auf der Schulter und säuseln mir beidseitig ins Ohr welches der richtige Pfad sei. Im Moment hat das Teufelchen aber leider hartes Brot zu nagen. Immer wenn er seine Stimme erhebt und mir wieder seine Versprechungen macht, verbiete ich ihm das Wort. Elender Lügner.

Kann man das?

Kann man entscheiden, dass man nur nach Vorne schaut? Kann man entscheiden, dass man das letzte Mal gewettet hat und das auch einhalten? Seit ein paar Tagen fühlt sich der bereits mehrfach getroffene Entscheid anders an. Richtiger? Ich weiss nicht, wie ich es beschreiben soll aber es fällt mir auf, das aufkommende Gelüste sofort versiegen. Ich habe die ersten zwanzig Jahre meines Lebens mit der Suche nach einer eigenen Identität vebracht und die nächsten 20 Jahre mit Spielen. Das reicht. Ich möchte die nächsten zwanzig Jahren damit verbringen, anzukommen. Ankommen an dem Platz der maximal zu mir passt. Die Zeit verbringen mit Personen, die mich weiterbringen und eine Arbeit verrichten, die sinnstiftend ist. Spielen hat lange zu mir gepasst aber jetzt ist es an der Zeit dieses „Hobby“ abzulegen.

Nach vorne schauen

Es gibt keinen Countdown mehr, zumindest keinen den ich „laut“ mitzähle. Es gibt ihn in einer App, die die Tage mitzählt und die ich schon viel zu oft mit einem neuen Datum gefüttert habe. Und doch bin ich eigenartig zuversichtlich. Es ist erst zwei Tage her, aber seither ist viel passiert. Eine weitere Türe ist in ihre Falle geknallt. Ich habe meinen Vorgesetzten informiert. Etwas was ich schon Jahre vor mich hergeschoben habe. Am letzten Freitag, als ich mich hoffnungslos gefühlt habe und kurz zuvor zum x-ten Mal die Business Kreditkarte um Lohnvorschuss bemüht habe, hat es mir gereicht. Alle Befürchtungen vor den negativen Folgen habe ich ausgeblendet. Das ist der positive Aspekt eines Tunnelblicks.

Heute bei meinem ersten Arbeitstag hatte ich ein gutes Gespräch. Mein Vorgesetzter hat vorbildlich reagiert aber ich bin noch nicht beruhigt. Ich muss zuerst den Kontozugriff auf ihn zurück übertragen. Erstaunlicherweise hatte er offenbar bereits einmal einen Geschäftspartner der aus denselben Gründen Geld veruntreut hat. Das habe ich aus meiner Sicht nicht, wobei ich zugeben muss, dass man das auch anders sehen könnte. Sind Lohnvorbezüge als Veruntreuung zu taxieren? Ich weiss es ehrlich gesagt nicht. Ich versuche das objektiv zu betrachten. Jedenfalls selbst wenn, ich bin so weit, dass ich die Folgen davon einfach tragen würde. Besser als in dieser Unwahrheit zu leben. In meinen Augen habe ich einen guten Schritt gemacht, auch wenn dessen Folgen vielleicht nicht nur positiv sind.

Es ist aber noch mehr passiert. Ich werde in der stationären Klinik in Basel ein Aufnahmegespräch führen. Nicht um danach sofort einzutreten. Ich möchte einfach mehr darüber erfahren. Vielleicht hilt es mir, vielleicht ist es nötig. Im Moment sage ich mir, dass ich es jetzt nochmals versuche. Beim nächsten Rückfall wäre das aber der logische Folgeschritt.

Im Zuge dieser Krise bin ich auf ein neues Buch gestossen, welches mich angeregt hat Sachen neu zu sehen. „Der Antispieler“. Von den ersten Seiten ist mir geblieben, dass einem die eigene Vergangenheit nicht negativ beinflussen sollte, sondern das was man aus ihr für Schlussfolgerungen zieht. Das ist ein eminent wichtiger Punkt. Ich habe Mühe meine Vergangenheit zu akzeptieren. 20 Jahre gespielt und Unmengen an Zeit, Energie und Geld verprasst. Wie kann man sich damit aussöhnen? Aber ohne das vollständige Akzeptieren davon kann man kein neues Kapitel aufschlagen.

Selbstkasteiiung

Kennt ihr den Bussgürtel der im Buch Iluminati vorkommt? Den hätte ich heute gerne an. Die Selbstvorwürfe sind riesig und ich kotze mich selber an. Ich öffne WordPress und sehe meine letzten geschriebenen Beiträge. „Netter Versuch, Missgeburt“ hallt es durch meinen Kopf. Es wird nie ein Ende nehmen. Wie denn auch?

Es ist das einzig Richtige keine Familie zu gründen. Ich kann ja kaum für mich selber sorgen. Geschweige die genetische Disposition, welche von meiner Seite käme, sollte einfach nicht weitergegeben werden. Man weiss, dass die Suchttendenz bis zur Hälfte erblich bedingt ist und das will ich keinem Kind zumuten. 50%? Würde man die Strasse überqueren, wenn man weiss dass die Chance überfahren zu werden bei 50% liegt? Nein, man bleibt stehen.

„Aber wetten auf etwas mit einer 2-Quote (also 50%-Wahrscheinlichkeit) konntest du ohne mit der Wimper zu zucken fast täglich? Einfach lächerlich!“ Ich kann mich echt selber nicht mehr ernst nehmen.

Tag 36 – neben den Schuhen stehen

Allgemeines Befinden: 4/10, Craving: 3/10, Problembewusstsein: 6/10

Nachdem der gestrige Sonntag gut verlaufen ist, steht heute der Wiederbeginn nach meinem Urlaub aus. Geschlafen habe ich tief und fest, aber seit dem Erwachen begleitet mich wieder eine alles durchdringende Nervosität. Ich hoffe, dass sich diese mit der Zeit legt. Manchmal hilft es mir mich in die Arbeit zu stürzen und dem Befinden keine Beachtung zu schenken.