Wattebausch

Weit, weit weg ist der letzte Rückfall. Ich verbinde schon gar keine negativen Gedanken mehr mit der Wetterei. Im Gegenteil. Es fühlt sich verlockend an. Nur einen klitzekleinen Betrag? Für das gute Gefühl? Es juckt unter den Fingern.

Der Zugang zu Geld ist unterbrochen. Meine Bankkarte habe ich abgegeben. Der Zugang zum E-Banking ist mir verschlossen. Mein Transferkonto habe ich vor einer Woche schriftlich gekündigt.

Hoffen wir, dass ich diese wichtige Phase überstehe und mich anderweitig beschäftigen kann und zwar so, dass es sich nicht als Verzicht anfühlt, denn wenn ich ehrlich bin, ist mein Alltag ohne Wetten sehr langweilig.

Das Leben fühlt sich scheisse an!

Lies jetzt besser nicht weiter, wenn Du kein Gejammer hören kannst. Heute sehe ich nichts Positives. Nach einem erneuten Rückfall gestern Abend, habe ich die wenigen Möglichkeiten zu Geld zu kommen, geschlossen. Das fühlt sich aber nicht gut an. Nicht, weil ich so nicht mehr so einfach wetten kann, sondern weil ich das schon zum x-ten Male mache und es überhaupt nichts gebracht hat.

Sowieso bringt überhaupt nichts etwas. Ich gehe seit Jahren in die Einzeltherapie, in die Gruppentherapie, beschäftige mich intensiv mit mir, mit meiner Sucht und versuche mir mein Leben so gut zu gestalten, dass ich nicht mehr auf diese Sucht angewiesen wäre. Diese Sucht, die mir offenbar etwas bringt, was ich nicht substituieren kann. Zahllose Therapiestunden mit Selbstanalyse haben nicht hervorgebracht, was denn nun die Ursache war und vor allem was die Sucht noch immer am Leben hält.

Alles führt immer wieder zu mir selber und das fühlt sich scheisse an. Die Selbstvorwürfe sind maximal. Ich habe mir heute in Gedanken schon unzählige Male „friss Scheisse“ gesagt. Jedes Mal wenn ich entweder an den gestrigen Rückfall denke, daran denke dass es einfach nie aufhört und einen kurzen Moment das Gefühl habe, dass es mir besser geht wenn ich spiele. Ja, es geht mir besser. Kurzfristig. Es lenkt so unglaublich gut von meinem Selbsthass ab. Es lenkt von den vielen Sachen ab, die ich doch eigentlich erledigen müsste. Die ich doch eigentlich machen müsste, dass ich mich besser fühlen würde. Irgendwie habe ich aber gar keine Lust mich besser zu fühlen. Heute habe ich Lust mich in der Scheisse zu suhlen und mich dafür fertig zu machen diesen Blog schon seit Jahren zu führen ohne nur einen Schritt weiterzukommen.

Tag 19 – Es ist anstrengend

Es ist anstrengend. Glücklicherweise aber nicht mehr das abstinent sein, sondern mein Studium. Ich habe ein Intensivwochenende im Südtirol hinter mir. Ich habe mir ein Tapetenwechsel gegönnt, weil ich praktisch nur noch zu Hause sitze. Eine wunderschöne Gegend. Sie hat mich nachdenklich gestimmt. Da letzte Mal als ich hier war, konnte ich den Urlaub nicht richtig geniessen. Ich habe ohnehin das Gefühl es sei Jahre her seit ich das letzte Mal wirklich erholsamen Urlaub hatte. Wochen davor, meistens in einer Abstinenzphase stellte ich mir vor, dass der nächste Urlaub besonders speziell wird weil ich dann x Wochen spielfrei sein werde. Nie hatte ich es durchgehalten. Der nächste Urlaub ist in 14 Wochen geplant. Dann wäre ich 4 Monate spielfrei. Eine recht lange Zeit. Genügend lange um mit einem gewissen Abstand zurück zu schauen. Ich freue mich darauf. Dieses Mal klappt es!

Reschen